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Seminar 5

Online-live-Theater Qingdao - a messy archive mit Workshops zum Thema Archiv und Umgang mit Bildern aus der kolonialen Vergangenheit

Zeit

Donnerstag, 22.04 und Freitag, 23.04.2021 jeweils 16-20h

Ort

Saal des Jungen NTM  (Alte Feuerwache), Brückenstraße 3, 68169 Mannheim

Kennst du Qingdao? Die Hafenstadt in der ostchinesischen Provinz Shandong ist seit 2016 Partnerstadt Mannheims. Zugleich handelt es sich um das 1898 bis 1919 vom Deutschen Reich zur Kolonie gemachte, d.h. militärisch, wirtschaftlich und kulturell besetzte und ausgebeutete Gebiet. Architekturen im Stadtbild von Qingdao zeugen bis heute vom Einfluss der deutschen Besatzungsmacht. Weniger sichtbar sind die Spuren von Widerstand aus der chinesischen Bevölkerung. Bisher werden die Städtepartnerschaft mit Qingdao und die Kolonialgeschichte wenig in Zusammenhang gebracht. Genau dieses Spannungsfeld hat das künstlerische Team um Becker, Cheng, Chen und Zehetner zum Anlass einer Spurensuche für ein Theaterprojekt genommen.

Durch Archiv-Recherchen in Mannheim, Qingdao, Freiburg und Peking ist eine Sammlung von Dokumenten entstanden, die künstlerisch bearbeitet und in Performances ins Spiel gebracht werden. Zentral für diese gemeinsame Auseinandersetzung mit Kolonialgeschichte sind die verschiedenen Perspektiven, die das künstlerische Team versammelt. Im Zuge des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 hat sich ein weiteres Thema aufgedrängt: der unterschiedliche Umgang mit der Pandemie im privaten, im öffentlichen Leben und in den Medien - sowohl aus europäischen als auch aus asiatischen Perspektiven. Auch fand eine künstlerische Verschiebung des Projektes statt. Anstatt einer mehrseitig bespielbaren und erfahrbaren Installation für die Theaterbühne ist ein digitales Mixformat aus Online-Interaktionen mit dem Publikum, online-live-performances und einer sog. „messy website“ entstanden.

Im Zentrum der Veranstaltung steht der Vorstellungsbesuch von Qingdao - a messy archive in besonderer Atmosphäre: Wir werden alle gemeinsam mit unseren Laptops in einem Raum sitzen, interaktives online Theater live erleben und uns über das persönlich wahrgenommene und unsere geteilte Publikumssituation austauschen. Wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen dieser virtuellen und der physischen Raumerfahrung? Worin liegen die Unterschiede zu einem gewöhnlichen Vorstellungsbesuch im Theatersaal?

Gerahmt wird das gemeinsame Theatererlebnis durch Vor- und Nachbereitungsworkshops.

Im Vorbereitungsworkshop werden wir das Marchivum (Mannheimer Stadtarchiv) besuchen und uns durch spielerische Impulse und Austauschformate dem Thema Archiv nähern. Was können Archive sein? Welche Dinge sollten gesammelt und aufbewahrt werden? Nach welchen Vorgaben und Prinzipien werden diese in eine Ordnung gebracht und was passiert dabei? Wer entscheidet was?

Im Nachbereitungsworkshop beschäftigen wir uns mit Fotografien aus der Kolonialzeit in Qingdao und aktuellen Bildern zur Pandemie aus den Medien. Wie und aus welcher Perspektive nehmen wir diese Bilder wahr? Lassen sich erlernte Muster oder Gewohnheiten der Abbildung und Beschreibung erkennen? In Austauschformaten und künstlerisch-forschenden Übungen diskutieren und erproben wir, wie ein Umgang mit solchen Bildern und Dokumenten im Theater und in den Künsten aussehen kann.

Notwendige „Ausrüstung“ pro Teilnehmer*in: Bitte einen eigenen Laptop mitbringen.
(Im Einzelfall kann nach Absprache ein Laptop zur Verfügung gestellt werden.)

Max. TN: 20
leitung: Annika Mayer